Informationen für Besucher
- Der Parkplatz Sōbien(そうびえん) ist ein Busparkplatz.
- Ein Parkplatz befindet sich etwa 50 Meter nördlich von West-Torii(西鳥居) von Tsurugaoka-Hachimangū.
- Etwa 40 Meter vom West-Torii in Richtung der Hauptallee befindet sich rechts eine Toilette.
- Vor der Tanzhalle (Maiden), auf der rechten Seite in Blickrichtung zur Halle, befinden sich Toiletten, ein Ruhebereich und Getränkeautomaten.
West-Torii und Yabusame(流鏑馬)
Yabusame ist eine traditionelle japanische Reitkunst, bei der der Schütze im Galopp mit Pfeil und Bogen auf Ziele schießt. Sie diente nicht nur der militärischen Ausbildung, sondern hatte zugleich den Charakter eines religiösen Rituals. Wenn der Schütze die Zielscheiben gut traf, galt dies als Omen für eine reiche Ernte. Diese Zeremonie wurde auf der hier verlaufenden geraden Straße abgehalten.

Tsurugaoka-Hachimangū
Dieser Shintō-Schrein wurde 1063 in Kamakura gegründet. Im Shintō existiert eine Vielzahl unterschiedlicher Gottheiten; die hier verehrte Gottheit ist der 15. Tennō, Kaiser Ōjin. Ob dieser Herrscher historisch tatsächlich existierte, ist nicht sicher belegt; falls ja, wäre er im späten 4. Jahrhundert anzusetzen.
Ursprünglich stand der Schrein nicht an diesem Ort, sondern näher an der Küste. Im Jahr 1180 ließ Minamoto no Yoritomo(源頼朝) hier eine groß angelegte Schreinanlage errichten. Damit verband sich zugleich der Anspruch, Kamakura als politisches Zentrum zu etablieren.
Stadtplanung von Kamakura
Tsurugaoka-Hachimangū ist nicht nur ein einzelner Schrein, sondern eng mit der gesamten Stadtplanung Kamakuras verbunden. Bereits im 8. Jahrhundert war Kyōto als planmäßige Hauptstadt (Heian-kyō:平安京) angelegt worden, mit der großen Nord-Süd-Achse der Suzaku-Straße(朱雀大路) und dem kaiserlichen Palast an ihrem nördlichen Ende.
Der erste Shōgun Minamoto no Yoritomo übernahm dieses Modell: Am nördlichen Rand der neuen Hauptstadt Kamakura ließ er den Schrein errichten und legte eine etwa zwei Kilometer lange, streng geradlinige Hauptstraße an, die heutige Wakamiya-Ōji(若宮大路).
Geschichte Kamakuras
In der japanischen Geschichte war Kamakura nur im 12. und 13. Jahrhundert Hauptstadt. Einer der Gründe, weshalb Yoritomo hier sein Shōgunat errichtete, liegt darin, dass die Machtbasis der Minamoto nicht im westlichen Japan um Kyōto, sondern im Osten lag. Hinzu kam die außerordentlich günstige geographische Lage: Kamakura ist im Norden, Osten und Westen von steilen Hügeln umgeben und öffnet sich nur nach Süden zum Meer, was die Stadt militärisch leicht zu verteidigen machte.
Im Mittelalter konnte man Kamakura ausschließlich über künstlich in die Hügel geschlagene schmale Pässe (kiridōshi:切り通し) erreichen. Dies verlieh der Stadt eine nahezu uneinnehmbare Stellung. Auch heute lassen sich in der Umgebung zahlreiche Spuren dieser historischen Zugänge erkennen.
Entlang der Hauptachse stehen das dritte Torii beim Genpei-Teich, weiter südlich das zweite und schließlich das erste Torii in Richtung Meer. Zwischen dem ersten und zweiten Torii – etwa 500 Meter von hier – liegt der Ort Gebā („vom Pferd absteigen“). Selbst hochrangige Krieger mussten hier absteigen und den Schrein zu Fuß betreten.
Zur Blütezeit des Kamakura-Shōgunats im 13. Jahrhundert sollen sich entlang dieser Straße zahlreiche Residenzen von Militärführern befunden haben. Die Bevölkerung Kamakuras wird für diese Zeit auf etwa 30.000 geschätzt.
Nach dem 14. Jahrhundert verlor Kamakura seine Funktion als Hauptstadt und verfiel allmählich. In der Edo-Zeit (ab dem 17. Jahrhundert) entwickelte es sich jedoch zu einer beliebten Reisedestination. Entlang der Straße entstanden Läden, Teehäuser und Herbergen, die dem Ort allmählich sein heutiges Gepräge gaben.
Bemerkenswert ist, dass die Wakamiya-Ōji in Richtung des Schreins allmählich schmaler wird. Diese optische Täuschung lässt die Straße länger erscheinen und verleiht dem Schrein eine größere Distanz und Würde.
Tanzhalle (Maiden(舞殿), Untere Gebetshalle)
Dieses Gebäude erfüllt mehrere Funktionen. Erstens dient es als Raum für religiöse Zeremonien. Zweitens war es ein Ort für politische Rituale der Kriegerelite. Drittens fungierte es als Bühne für darstellende Künste. Berühmt ist, dass die Tänzerin Shizuka Gozen(静御前), Geliebte von Minamoto no Yoshitsune(源義経), hier mehrfach auftrat.
Die ursprüngliche Halle wurde 1193 errichtet, stürzte jedoch beim Großen Kantō-Erdbeben von 1923 ein. Das heutige Gebäude wurde 1933 wiederaufgebaut.

Große Steintreppe
Die Treppe besteht aus 61 Stufen. Ihre Anlage vor dem Hauptschrein ist Ausdruck eines politischen Raumkonzepts: „Autorität befindet sich in der Höhe.“
Minamoto no Sanetomo(源実朝) und der Große Ginkgo
Links neben der 13. Stufe stand einst ein etwa 900 Jahre alter riesiger Ginkgo-Baum. Er stürzte im Jahre 2010 infolge von starkem Wind um. An diesem Ort ereignete sich jedoch eines der entscheidenden Dramen der Kamakura-Zeit.

Am 13. Februar 1219 wurde der dritte Shōgun Minamoto no Sanetomo von seinem Neffen Kugyō (公暁) ermordet. Damit erlosch die direkte Linie der Minamoto, und die politische Macht ging an die Hōjō(北条) über, die als Regenten (Shikken(執権)) das Shōgunat kontrollierten.
Viele Japaner glauben, Kugyō habe sich im Schatten des großen Ginkgos verborgen und Sanetomo hier erschlagen. Zeitgenössische Quellen wie das Azuma Kagami (吾妻鏡)berichten zwar von dem Attentat in der Nähe der Treppe, erwähnen jedoch nicht, dass sich der Täter hinter dem Baum versteckt habe. Die Vorstellung vom „Attentat aus dem Schatten des großen Ginkgos“ ist vielmehr eine literarische Ausschmückung der Edo-Zeit, die durch das Kabuki-Theater popularisiert wurde.
Aus dem verbliebenen Wurzelstock sind neue Triebe gewachsen; der Baum lebt heute in Gestalt eines „Kind-Ginkgo“ weiter.
Hauptschrein (Oberer Schrein)
Nach mehreren Zerstörungen wurde der heutige Bau 1828 unter dem 11. Tokugawa-Shōgun Ienari (徳川家斉)neu errichtet.
Der Baustil ist der sogenannte Gongen-zukuri(権現造り): Vorne steht die Gebetshalle (Haiden(拝殿)), dahinter der eigentliche Schrein (Honden(本殿)), in dem die Gottheit verehrt wird; beide sind durch einen verbindenden Mittelbau (Heiden(幣殿)) verbunden.
Wakamiya (若宮)
Ursprünglich stand an dieser Stelle der Hauptschrein; der Wakamiya wurde hier 1180 errichtet. Nach mehrfachen Bränden stammt das heutige Gebäude aus dem Jahr 1624 und wurde von Tokugawa Hidetada(徳川秀忠), dem zweiten Shōgun der Edo-Zeit, gestiftet. Obwohl es sehr neu wirkt, geht dies auf eine umfassende Renovierung von 2016 zurück. Auch dieses Gebäude ist im Stil des Gongen-zukuri errichtet.
Genpei-Teiche
Bis zum Ende des 12. Jahrhunderts konkurrierten zwei große Kriegerhäuser um die Vorherrschaft: die Taira (Heike) und die Minamoto (Genji). Lange Zeit waren die Taira überlegen, doch 1185 wurden sie in der Seeschlacht von Dan-no-ura (壇ノ浦)besiegt. 1192 wurde Minamoto no Yoritomo zum Shōgun ernannt und begründete in Kamakura eine neue Militärregierung.
Mit Blick auf den Schrein liegt links der Taira-Teich, rechts der Minamoto-Teich. Der Taira-Teich besitzt vier Inseln, der Minamoto-Teich hingegen drei. Im Japanischen ist die Aussprache von „drei“ identisch mit „geboren werden“, während „vier“ wie „sterben“ klingt. In dieser Gartengestaltung spiegelt sich somit die politische Botschaft: Die Minamoto werden gedeihen, die Taira untergehen.